Das Ishikawa-Diagramm – komplexe Ursachen systematisch im Team erarbeiten
Wie funktioniert Ishikawa?
Das Ishikawa-Diagramm (auch Fischgräten- oder Ursache-Wirkungs-Diagramm genannt) ist ein zentrales Lean-Werkzeug zur strukturierten Ursachenanalyse bei komplexeren Problemen.
Im Gegensatz zu einfachen Ursache-Wirkungs-Ketten betrachtet es mehrere Einflussbereiche gleichzeitig – systematisch, teamorientiert und ohne vorschnelle Lösungen.
Ziel ist es, nicht beim ersten Lösungsansatz stehen zu bleiben, sondern die tatsächlichen Ursachen eines Problems ganzheitlich sichtbar zu machen.
Wann ist das Ishikawa-Diagramm das richtige Werkzeug?
Das Ishikawa-Diagramm eignet sich besonders, wenn:
- ein Problem mehrere mögliche Ursachen hat
- unterschiedliche Bereiche beteiligt sind
- schnelle Einzelanalysen nicht ausreichen
- nachhaltige statt kurzfristiger Lösungen gesucht werden
Typische Einsatzfälle sind Qualitätsabweichungen, Prozessinstabilitäten, wiederkehrende Fehler oder komplexe Organisationsprobleme.
Struktur statt Bauchgefühl
Das Herzstück des Ishikawa-Diagramms ist die systematische Betrachtung verschiedener Einflussfaktoren.
Häufig genutzte Kategorien sind zum Beispiel:
- Mensch
- Maschine
- Methode
- Material
- Mitwelt (Umgebung)
- Messung
Diese Struktur verhindert, dass man sich zu früh auf eine vermeintlich offensichtliche Ursache festlegt. Stattdessen wird bewusst in mehreren Richtungen gedacht. Die Aspekte können erweitert werden z.B. mit Moneten oder Management, sollten aber nicht weniger als die beschriebenen enthalten
Vorgehen beim Einsatz des Ishikawa-Diagramms
- Definition des Problems (Kopf des Fisches)
- Auswahl der Hauptursachenkategorien (z. B. 6M)
- Gemeinsames Brainstorming im Team zu möglichen Ursachen in jeder Kategorie
- Visualisierung und Strukturierung der Ursachen auf dem Diagramm
- Priorisierung und weitere Analyse der wichtigsten Ursachen
Teamorientiert zur wirklichen Ursache
Ein großer Vorteil des Ishikawa-Diagramms ist der gemeinsame Analyseprozess im Team.
Unterschiedliche Perspektiven sorgen dafür, dass:
- Annahmen hinterfragt werden
- Wissen aus verschiedenen Bereichen einfließt
- Ursachen nicht übersehen werden
So entsteht ein gemeinsames Problemverständnis – die Basis für wirksame Verbesserungen.
Ishikawa vs. 5W – der richtige Einsatz entscheidet
Beide Methoden verfolgen dasselbe Ziel: die wahre Ursache eines Problems finden.
Der Unterschied liegt im Anwendungsbereich:
| 5W-Methode | Ishikawa-Diagramm |
| geeignet für überschaubare, klar abgegrenzte Probleme | geeignet für komplexe, mehrdimensionale Probleme |
| Lineares, iteratives, fokusiertes Vorgehen | parallele Betrachtung mehrerer Ursachenbereiche |
| schnell und fokussiert | strukturiert und umfassend, visualisiert |
| oft einzeln oder in kleinen Gruppen | ideal für Teamarbeit |
| Kann dazu führen, dass beim ersten offensichtlichen Grund Schluss ist, wenn nicht bewusst hinterfragt wird. | Hört nicht beim ersten Lösungsansatz auf, sondern betrachtet verschiedene Bereiche, um möglichst zielgerichtet zur wirklichen Ursache zu kommen. |
In der Praxis ergänzen sich beide Methoden:
Häufig wird das Ishikawa-Diagramm zur Breitenanalyse genutzt und anschließend die 5W-Methode zur Tiefenanalyse einzelner Ursachen eingesetzt.
Lean praktisch gedacht
Das Ishikawa-Diagramm unterstützt Lean dort, wo einfache Antworten nicht ausreichen. Im Vergleich zur 5W-Methode ermöglicht es eine breitere, teamorientierte Analyse und verhindert, dass man sich vorschnell auf die erstbeste Ursache festlegt. So wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, die tatsächliche Wurzel des Problems zu identifizieren und gezielt anzugehen.
