Viele erfolgreiche Unternehmen wie Toyota, Porsche oder TRUMPF haben ihre Art zu produzieren in einem Produktionssystem beschrieben.
Dabei geht es nicht darum, Methoden zu sammeln oder ein Handbuch zu erstellen. Ein Produktionssystem beschreibt die gemeinsame Vorstellung davon, wie ein Unternehmen arbeiten möchte.
Es schafft Standards, definiert Leitplanken und sorgt dafür, dass Entscheidungen nicht immer wieder neu diskutiert werden müssen.

Die Stärken stärken!
Ein Produktionssystem macht Stärken sichtbar
Jedes Unternehmen hat eigene Stärken.
Manche überzeugen durch kurze Lieferzeiten, andere durch höchste Qualität, innovative Produkte oder eine besonders enge Zusammenarbeit mit ihren Kunden.
Diese Stärken entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis vieler Entscheidungen über Prozesse, Organisation und Zusammenarbeit.
Ein Produktionssystem macht diese Entscheidungen sichtbar und beschreibt sie so, dass sie von allen verstanden und weiterentwickelt werden können.
Deshalb gilt: Die Stärken werden gestärkt.
Ein Produktionssystem sollte nicht versuchen, alles gleichzeitig zu sein. Es sollte beschreiben, was das Unternehmen erfolgreich macht und worauf es seine Weiterentwicklung ausrichtet.
Kundenorientierung bestimmt die Richtung
Jedes Produktionssystem beginnt mit der Frage: Warum entscheidet sich ein Kunde für unser Unternehmen?
Die Antwort darauf bestimmt die Anforderungen an die eigenen Prozesse.Mögliche Schwerpunkte sind:
- kurze Lieferzeiten
- höchste Qualität
- Innovationsführerschaft
- niedrige Kosten
- partnerschaftliche Zusammenarbeit
Erst wenn diese Prioritäten klar sind, können Prozesse konsequent darauf ausgerichtet werden.
Produktionsprinzipien schaffen Einheitlichkeit
Die Produktionsprinzipien beschreiben, wie Material und Informationen durch das Unternehmen fließen sollen.
Sie beeinflussen unter anderem:
- die Gestaltung von Arbeitsplätzen
- den Automatisierungsgrad
- die Organisation der Logistik
- die Produktionsplanung
Methoden wie One-Piece-Flow, Pull-Prinzipien, Heijunka oder Milkrun sind keine Selbstzwecke. Sie unterstützen die Produktionsprinzipien und machen sie im Alltag sichtbar.
Qualität entsteht nicht erst bei der Prüfung
Jedes Unternehmen benötigt eine klare Vorstellung davon, wie Qualität entsteht.
In einer hochautomatisierten Serienfertigung wird Qualität häufig durch technische Systeme abgesichert.
In einer variantenreichen Fertigung liegt ein größerer Teil der Verantwortung bei den Mitarbeitenden.
Ein Produktionssystem sollte deshalb festlegen:
- wie Fehler vermieden werden
- wie mit Fehlern umgegangen wird
- wie Lernen aus Fehlern organisiert wird
Planung bestimmt den Fluss
Die Produktionsplanung übersetzt Kundenanforderungen in konkrete Abläufe.
Dabei werden unter anderem festgelegt:
- Planungszyklen
- Materialdisposition
- Reihenfolgen
- Kapazitätsanpassungen
Besonders bei hoher Variantenvielfalt entscheidet die Qualität der Planung darüber, ob Fluss entsteht oder Bestände wachsen.
Qualifikation wird zum Wettbewerbsfaktor
Neue Technologien, neue Produkte und neue Arbeitsweisen verändern die Anforderungen an Mitarbeitende ständig.
Deshalb sollte Qualifizierung kein Einzelprojekt sein, sondern ein fester Bestandteil des Produktionssystems.
Ziel ist nicht nur der Aufbau von Fachwissen.
Ebenso wichtig sind:
- Methodenkompetenz
- Problemlösungsfähigkeit
- Flexibilität
- bereichsübergreifendes Denken
Gerade in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz wird die Lernfähigkeit einer Organisation zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.
Bereitstellung unterstützt den Wertschöpfungsprozess
Ein gut gestalteter Arbeitsplatz konzentriert sich auf Wertschöpfung.
Tätigkeiten wie:
- Suchen
- Sortieren
- Umpacken
- Transportieren
sollten möglichst außerhalb der eigentlichen Wertschöpfung stattfinden.
Automobilhersteller liefern Material häufig einbaufertig an das Band. Das dahinterliegende Prinzip lässt sich auf nahezu jedes Unternehmen übertragen:
Jeder Handgriff soll sitzen.
Dazu gehören auch klare Regeln für Ladungsträger, Materialbereitstellung und Logistikprozesse.
Ergonomie, Sicherheit und Ökologie gehören dazu
Ein Produktionssystem beschreibt nicht nur Leistung, sondern auch die Rahmenbedingungen der Arbeit.
Dazu gehören:
- ergonomische Arbeitsplätze
- sichere Abläufe
- kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen
- verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen
Wenn ein Unternehmen beispielsweise energiearm oder klimaneutral produzieren möchte, sollte dieses Ziel Bestandteil des Produktionssystems sein.
Ein Produktionssystem wächst mit dem Unternehmen
Ein Produktionssystem entsteht nicht in einem Workshop und ist anschließend fertig.
Es entwickelt sich mit dem Unternehmen weiter.
Deshalb empfiehlt sich eine einfache Darstellung der wichtigsten Leitprinzipien auf einer Seite.
Zu diesen Grundsätzen kommen mit der Zeit weitere Beispiele, Standards und Methoden hinzu.
Wichtig ist dabei, dass alle Inhalte auf dieselben Ziele einzahlen.
Sonst entstehen lokale Optimierungen und Insellösungen.
Einführung: sichtbar, verständlich und verbindlich
Ein Produktionssystem entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn es bekannt ist.
Deshalb sollte es:
- verständlich dargestellt werden
- regelmäßig kommuniziert werden
- für alle Mitarbeitenden zugänglich sein
Ob als Broschüre, Präsentation, Intranet-Seite oder Schulungsunterlage ist dabei zweitrangig.
Entscheidend ist, dass die Einführung bewusst erfolgt und die Bedeutung des Produktionssystems durch die Führungskräfte sichtbar unterstützt wird.
Lean praktisch gedacht
Ein Produktionssystem beschreibt nicht, welche Methoden ein Unternehmen einsetzt. Lean ist kein Werkzeugkasten, sondern die Gestaltung eines Systems.
Es beschreibt, wie das Unternehmen erfolgreich sein will.
Werkzeuge können sich ändern. Märkte können sich verändern. Technologien können kommen und gehen.
Die grundlegenden Prinzipien bleiben.
Deshalb ist ein Produktionssystem keine Sammlung von Regeln, sondern die gemeinsame Beschreibung der eigenen Unternehmens-DNA. Sie macht Stärken sichtbar, schafft Orientierung und gibt die Richtung für die Weiterentwicklung vor.
