Durchlaufzeit

Fluss gestalten über die gesamte Supply Chain

Die Durchlaufzeit ist eine der zentralen Kennzahlen im Lean Management.
Sie beschreibt nicht nur, wie schnell ein Auftrag intern abgearbeitet wird, sondern wie gut das gesamte System – von Lieferanten bis zum Kunden – auf Fluss ausgelegt ist.

Kurze Durchlaufzeiten sind die Grundlage für:

  • niedrige Bestände
  • hohe Reaktionsfähigkeit
  • Kundenorientierung
  • funktionierende Pull-Prinzipien

Durchlaufzeit ist mehr als eine interne Kennzahl

In der Praxis wird Durchlaufzeit häufig auf die eigene Produktion reduziert.
Lean denkt weiter:

Durchlaufzeit entsteht entlang der gesamten Supply Chain – intern wie extern.

Dazu gehören:

  • Lieferzeiten von Zulieferern
  • interne Materialflüsse
  • Wartezeiten zwischen Prozessschritten
  • Übergaben zwischen Organisationseinheiten

Eine Optimierung einzelner Bereiche reicht nicht aus, wenn vorgelagerte oder nachgelagerte Prozesse den Fluss begrenzen.


Bestände und Durchlaufzeit: Ursache statt Symptom

Bestände werden im Lean nicht isoliert betrachtet.
Sie sind fast immer ein Symptom zu langer oder instabiler Durchlaufzeiten.

Puffer sind dabei nicht grundsätzlich falsch.
Entscheidend ist wo und warum sie eingesetzt werden.

Gezielt eingesetzte Puffer in vorgelagerten Bereichen können:

  • Engpässe entlasten
  • Durchlaufzeiten stabilisieren
  • den Gesamtfluss beschleunigen

Ungezielte Puffer hingegen verlängern Durchlaufzeiten und verschleiern Probleme.


One-Piece-Flow als Gestaltungsrichtlinie

Der One-Piece-Flow ist keine starre Vorgabe, sondern eine Gestaltungsrichtlinie:

Wie müsste das System aussehen, damit Aufträge möglichst ohne Unterbrechung fließen können?

Auch im Maschinenbau mit kundenindividueller Konfiguration bleibt One-Piece-Flow das Idealbild:

  • stabile Basisprozesse
  • modulare Optionen
  • klar definierte Abzweigungen

Varianten werden nicht gesammelt, sondern gezielt in den Fluss eingebunden – beispielsweise über strukturierte „Fischgräten“-Logiken zur Grundmaschine.


Pull als Steuerungsprinzip – nicht als Softwarefunktion

Das Pull-Prinzip ist kein Knopf im ERP- oder MES-System.
Es ist ein Steuerungskonzept, das Kreativität und Gestaltung erfordert.

Pull bedeutet:

  • begrenzte Freigabe von Arbeit
  • klare Reihenfolgen
  • sichtbare Engpässe
  • bewusstes Wartenlassen statt Überlasten

Digitale Systeme können Pull unterstützen, aber nicht ersetzen.
Gerade in variantenreichen Umgebungen ist Pull oft eine Kombination aus:

  • visueller Steuerung
  • taktischer Planung
  • bewusster Auftragsfreigabe
  • klaren Entscheidungsregeln

Supply Chain denken: intern und extern

Kurze Durchlaufzeiten entstehen nur, wenn:

  • interne Prozesse stabil sind
  • externe Lieferketten verlässlich eingebunden werden
  • Übergaben klar definiert sind

Das bedeutet:

  • Lieferanten in den Fluss einbinden
  • Wiederbeschaffungszeiten verkürzen
  • Verantwortlichkeiten klar trennen (z. B. Logistik vs. Produktion)

Durchlaufzeit ist damit eine Systemeigenschaft, keine lokale Optimierungsgröße.


Lean praktisch gedacht

Durchlaufzeit zu reduzieren heißt nicht, schneller zu arbeiten.
Es heißt, weniger gleichzeitig zu tun, dafür konsequent nacheinander.

Der One-Piece-Flow gibt die Richtung vor.
Pull ist das Steuerungskriterium.
Bestände sind das Ergebnis – nicht der Ausgangspunkt.

Wer Durchlaufzeiten beherrscht, beherrscht Fluss, Kosten und Kundenreaktion zugleich.

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