Lego-Spiel

Beim Lego-Spiel wird von einer Gruppe ein Lego-Modell ohne Anleitung zusammengebaut. Lediglich ein Mitglied der Gruppe hat Zugang zum Modell und gibt Anweisung für den Zusammenbau des Modells

Was wird benötigt:

Pro Gruppe ein demontiertes, einfaches Lego-Modell (z.B. Fahrzeug mit 120-200 Teilen)  und ein fertig zusammengebautes Modell des gleichen Typs

Ein Arbeitsplatz pro Gruppe und ein Platz für das fertige Modell, der von den anderen nicht einsehbar ist.

Rollen:

  • Trainer: Es wird ein Gruppenmitglied definiert, der gut beschreiben kann und Anweisungen gibt. Er hat kein Handy, Papier etc. zur Verfügung
  • Aufbauteam:  Handelt nach den Anweisungen des Trainers und stellt Fragen zur Erfüllung der Aufgaben
  • Moderator: Definiert die Zeit und überwacht die Einhaltung der Regeln

Ablauf:

  • Es wird ein Zeitraum für das Spiel definiert, üblicherweise 20 min.
  • Es wird pro Gruppe ein Arbeitsplatz eingerichtet und der Platz mit dem fertigen Modell
  • Das Aufbauteam bleibt am Platz, der Trainer pendelt vom Modell zum Aufbauteam und gibt dem Team Anweisungen, wie das Modell zu bauen ist.
  • Das Team stellt gezielt Fragen an den Trainer, der versucht am Modell die Fragen zu klären und die Antworten an das Team zu geben.
  • Fotos, Zeichnungen etc. als Medium sind nicht erlaubt!
  • Das Aufbauteam, das das Modell als erstes fertiggebaut hat, hat gewonnen. Es dürfen keine Teile übrig sein. Das Modell muss funktionsfähig sein und optisch zwei kleine Abweichungen haben.

Was passiert:

Es ist eine klare Beschreibung für die Tätigkeiten wie für das Aussehen nötig. Dabei spielen auch die von einem einzelnen nicht formulierbaren Anforderungen eine Rolle. Der Begriff:  „Das hätte ich nicht erwartet“ wird nach dem Spiel häufiger ausgesprochen. Wir erleben das seit unserer Kindheit, wenn wir Bücher lesen. Wenn ein Buch verfilmt wird, ist man enttäuscht oder entzückt, weil die Bilder aus dem Buch die eigene Vorstellung, die Bilder im Kopf nicht treffen oder sogar übertreffen.

Zum Schluss: Ist das Modell wirklich fertig: Auch dort kommt die eigene Sichtweise raus. Nicht nur Funktion, auch die anderen Erwartungen des Kunden müssen erfüllt werden

Inhaltlich soll das Lego-Spiel verdeutlichen:

  • Was man selbst sieht, ist sein eigener Eindruck.
  • Das eigene Bild mit den eigenen Erfahrungen oder dem eigenen Wissen wird anders verarbeitet als wenn es nur mitgeteilt oder berichtet wird. Jeder hat seine eigene Vorstellung im Kopf.
  • Wird Arbeit nicht strukturiert, werden Dinge falsch gemacht oder müssen mehrmals durchgeführt werden, um ein gutes Produkt zu erhalten
  • Eine klare Anweisung (Zeichnungen, Montageanleitungen, Bilder, Videos) ist notwendig, um ein einheitliche Produkt zu bekommen.
  • Verbale Kommunikation ist abhängig entsprechend des Sender-Empfänger-Modells

Lean 4.0-Aspekte:

Die Antwort zeigen aktuelle Produkte und auch das geänderte Verhalten im Konsumgüterbereich:

Wer schaut sich heute noch eine Bedienungsanleitung an. Als ich einen Garagentorantrieb montiert habe,  habe ich die Anleitung beiseite gelegt und habe ein Anleitungs-Video heruntergeladen, in dem zusätzlich noch hilfreiche Tipps enthalten waren.

Referenz:

Bei der Interpretation hilft vielleicht ein Verweis bei Mari Furukawa-Caspari, Lean auf gut Deutsch, Band 2, S.59:

„Es gilt eine menschliche Schwäche zu überwinden:

Wenn einem die Dinge nicht „durchrutschen“ sollen, sollte man es sich generell und mit aller Konsequenz zur Gewohnheit machen, jedes Mal ein aktuelles, eigenes Bild von den Gesprächsgegenständen zu machen, und es nicht zulassen, dass man sich selbst etwas „einbildet“. Den Mitarbeitern vorzuleben, wie man gerade als erfahrener Profi mit der eigenen Wahrnehmung umgeht, ist eine wichtige Führungsaufgabe.“

Share